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Uniblog: Können Sie mich hören?
Referat für Marketing und Kommunikation
Vor zwei Monaten begann die Lehre. Wir alle standen vor neuen Herausforderungen, da das Semester in diesem Jahr online begann. Die damit verbundenen Herausforderungen sind nicht nur für die Dozierenden, sondern auch für uns Studierende nicht immer einfach

Grundsätzlich bin ich eine pünktliche und eine eher fleißige Person. Ich tauche gerne überall pünktlich auf, sogar oft ein paar Minuten früher. Meine allererste Veranstaltung, eine Blockveranstaltung war in der ersten Septemberwoche. Am Tag vor der Vorlesung habe ich aufgeregt meinen Computer, mein Mikrofon, meine Kamera und meine Internetverbindung ausprobiert. Alles hat perfekt funktioniert. Am Tag der Veranstaltung trug ich stolz den Pullover mit dem Universitätslogo, den ich direkt für diesen Anlass gekauft hatte. Ich verpasste mir ein nettes Make-up und war zufrieden mit dem Kamerabild. Ich war aufgeregt, ich konnte die Nacht vor der Veranstaltung nicht schlafen, also stand ich sehr früh auf und loggte mich schon zwanzig Minuten vor Veranstaltungsbeginn ein. Ich wollte sicherstellen, dass alles funktioniert. Die Veranstaltung begann und die ersten paar Minuten verliefen unbeschwert. Ich war stolz darauf, dass ich am Tag zuvor alles ausprobiert hatte. Als ich mir gedanklich gerade auf die Schulter klopfte, fuhr mein Computer während der Vorstellungsrunde plötzlich herunter und ließ sich nicht mehr starten. Ungefähr 15 Minuten lang versuchte ich, das ganze System neu zu starten, aber es klappte nicht. Schließlich gab ich auf und fiel traurig auf die Couch im Wohnzimmer. Dann fiel mir ein, dass ich mich ja vielleicht auch mit dem Handy einwählen konnte. Und richtig, es klappte und ich loggte mich erneut in die Vorlesung ein. Ich war noch aufgeregter und fühlte mich schlecht, weil ich die Einführungs- und Vorstellungsrunde verpasst hatte. Ich wollte doch wissen, wer was studierte, wer meine Mitstudierenden waren! Ich hatte nicht nur ein schlechtes Gewissen deswegen, sondern musste mich für den Rest des Tages übergeben, und abends bekam ich auch noch Fieber. Mein schöner neuer Pulli hatte arg gelitten, und mein einfaches Make-up verwandelte sich in eine Art Gothic-Make-up. Irgendwie hatte ich mir meinen ersten Uni-Tag anders vorgestellt.

Am folgenden Tag gab ich meinen Computer zur Reparatur und hörte mir die Vorträge auf meinem Handy an. Es dauerte ungefähr zwei Wochen, bis ich mir sagte, dass ich nicht die einzige Studierende war, die manchmal mit technischen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. So fühlte ich mich nicht mehr so ungeschickt und gar nicht mehr so allein. Tatsächlich habe ich in den zwei Wochen gesehen, dass die Situation nicht nur für uns Studenten, sondern auch für einige der Dozenten ziemlich neu ist und dass wir uns alle erst daran gewöhnen müssen. In den ersten zwei Wochen habe ich mehrmals am Tag die Frage gehört oder gestellt: "Können Sie mich hören? Können Sie mich sehen? Sehen Sie meinen Bildschirm?" Manchmal wartete ich mit einem Schmunzeln vor dem Bildschirm, um das Mikrofon einschalten zu können und zu sagen: "Ja, ich kann Sie hören und sehen."

Seit den anfänglichen Schwierigkeiten habe ich festgestellt, dass langsam jeder zu routinemäßigen Online-Studierenden und -Dozierenden geworden ist. Was mich wirklich zum Lächeln gebracht hat ist, dass der vielleicht älteste Lehrer gerne seine Kamera einschaltet und seinen Vortrag hält. Ich bewundere ihn dafür, dass er mit dem Fortschritt der Technologie in diesem Alter mithält und seinen Vortrag ohne Hindernisse abhält, fröhlich und immer lächelnd. Es gibt mir Mut und Energie und ich denke dann immer: “Oh ja, wir schaffen dieses Semester schon!”

 

Fatime PÁLL

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