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"Perspektiven moderner Diplomatie"
Fakultät für Internationale Beziehungen
Exkursion nach Berlin vom 18. bis zum 21. Februar 2016.

Ziel der Exkursion war es, die Arbeitsweise moderner Diplomatie kennenzulernen, die durch ein neues Anforderungsprofil einem besonderen Veränderungsdruck unterliegt. Erste Station in Berlin war das Auswärtige Amt. Nicole Menzenbach, Leiterin des Referats 604 für Hochschulen, Wissenschaft und Forschung, stellte hier in ihrem Vortrag verschiedene Instrumente vor, durch die der Austausch im wissenschaftlichen Bereich gefördert werden soll. Einen besonderen Fokus legte sie auf Maßnahmen, welche ihr Referat zur Bewältigung der Flüchtlingskrise beitragen würde. Sie stellte heraus, dass die Migrationsströme auch für das Auswärtigen Amt derzeit die bestimmende Herausforderung sei.

Das nachfolgende Gespräch mit dem Ministerialbeamten Jürgen Schulz schloss sich thematisch an. Er gab einen Überblick über aktuelle Sicherheitslage und Krisenpotenziale: Dabei stellte er eine Veränderung in der internationalen Sicherheitspolitik fest, die sich in einer allgemeinen Beschleunigung internationaler Prozesse manifestiere. Konflikte seien im Zuge dessen weniger vorhersehbar, während Bedrohungen immer häufiger in einem transnationalen Kontext anzusiedeln seien. Der Beauftragte für Auswärtige Kulturpolitik Ministerialdirigent Michael Reiffenstuel referierte anschließend zum Thema „Auswärtige Kulturpolitik als Grundlage einer Außenpolitik der Gesellschaften“. Er zeigte den Wandel innerhalb der deutschen Außenpolitik von einer „Diplomatie der Regierungen“ zu einer „Diplomatie der Gesellschaften“ auf, der in der Erkenntnis über die Bedeutung einer positiven Außenwahrnehmung von Staaten begründet liege. Die Rolle von Soft Power-Ansätzen, Kulturdiplomatie und Public Diplomacy werde im Zuge dessen aufgewertet. Herausforderungen sah er in der konstanten Aktualisierung und Anpassung des Deutschlandbildes sowie der Nutzung sozialer Medien zu diesem Zweck.

Heiko Nitzschke, Forschungsbeauftragter des Planungsstabs, berichtete über den durch Außenminister Steinmeier angestoßenen Review-Prozess, der die Funktionsweise des deutschen Auswärtigen Dienstes anhand einer breit geführten Diskussion mit Bürgern, Wissenschaftlern und Mitarbeiten überprüfen und erneuern solle. Viele im Laufe des Tages entstandene Fragen konnten am Abend mit Dr. Marco Overhaus von der Stiftung Wissenschaft und Politik besprochen werden. Als Mitglied der Forschungsgruppe „Amerika“ konnte Dr. Overhaus fundiert über die deutsch-US-amerikanischen Beziehungen Auskunft geben. Diese seien in einer schwierigen Lage, da es zwar auf Regierungsebene eine gute (krisengetriebene) Zusammenarbeit gebe, jedoch der Rückhalt in der Gesellschaft fehle.

Am Freitag gab der CDU-Abgeordnete Roderich Kiesewetter einen Einblick in den praktischen Umgang mit sicherheitspolitischen Herausforderungen in seiner Arbeit im Ausschuss für Auswärtige Angelegenheiten. Im Anschluss berichtete der österreichische Botschafter Nikolaus Marschik von den heterogenen Aufgabenstellungen einer Auslandsvertretung. Österreich verfolge eine interessengeleitete Strategie in seinem auswärtigen Handeln. Im Vergleich zu Deutschland, das etwa mit 200 Botschaften weltweit vertreten sei, betreibe Österreich nur 80 Auslandsvertretungen an strategisch wichtigen Standorten. Die interessengeleitete österreichische Diplomatie überwiege gegenüber der Repräsentationsdiplomatie. Als wichtige aktuelle Fragen zwischen Österreich und Deutschland nannte er neben der Flüchtlingskrise die geplante PKW-Maut und österreichische „Bad Banks“. In der Vertretung des Bundeslandes Hessen ging Ministerialdirigentin Dr. Bernadette Droste zusammen mit zwei Kollegen der Hessischen Staatskanzlei in Wiesbaden auf das historisch gewachsene föderale System in Deutschland ein.

Im Anschluss ging es im Auswärtigen Amt um die deutsche Diplomatenausbildung. Der Vortragenden Legationsrat Patrick Heinz legte dabei den Review-Prozess dar und die Vortragende Legationsrätin Erster Klasse Julia Gross stellte in ihrem Beitrag das Anforderungsprofil, die Erfordernisse des Rotationsprinzips und die Vorbereitung für das Auswahlverfahren für den Höheren Auswärtigen Dienst vor. Am Abend traf die Exkursionsgruppe mit internationalen Jungdiplomaten in der Brauerei Rollberg zusammen.

Der dritte Exkursionstag begann mit einem Workshop zum Thema „Kreatives und literarisches Schreiben“ der Journalistin Stephanie von Hayek. Anschließend gab der langjährige Deutschlandkorrespondent der italienischen Tageszeitung „La Repubblica“ Andrea Tarquini bei einem gemeinsamen Mittagessen Einblicke in die Außenwahrnehmung der deutschen Außenpolitik. Den Abschluss bildeten ein Besuch der Gedenkstätte Deutscher Widerstand am Nachmittag, zu dem Prof. Dr. Ulrich Schlie zu Graf von Stauffenberg referierte sowie eine Vorstellung des Stücks „Judith“ in der Berliner Volksbühne am Samstagabend.

Die Exkursion wurde von Prof. Dr. Ulrich Schlie, Professur für Diplomatie II und Franziska Vesely, Fakultätsreferentin IB, organisiert und durch die großzügige finanzielle Unterstützung des Auswärtigen Amtes ermöglicht.

Text: Friederike von Bargen

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