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Ein Journalist berichtet: Medienfreiheit in einem illiberalen Land
Der Journalist Márton Gergely berichtete von den Herausforderungen seines Berufes, persönlichen Erfahrungen und Medienfreiheit in Ungarn.

Im Rahmen des Studiengangabends Internationale Beziehungen begrüßten Dr. Henriett Kovács und Herr Dr. Heinrich Kreft den Chefredakteur der Wochenzeitung HVG (Heti Világ Gazdaság / Weekly World Economy), Márton Gergely, zu einem Gespräch über die ungarische Medienlandschaft und Möglichkeiten des unabhängigen Journalismus.

Zu Beginn berichtete Gergely, dass die Pressefreiheit für diejenigen AkteurInnen in Ungarn gut erhalten sei, die es sich finanziell leisten könnten. Eine freie Medienlandschaft im Allgemeinen gebe es jedoch nicht. So wird der Markt durch verschiedene Taktiken durch den ungarischen Staat beeinflusst. Zum Beispiel werden bürokratische Mittel zur Einschränkung genutzt und der Staat ist ebenfalls in vielen nicht unabhängigen Medien oft der größte Inseratenschalter und kann so finanziell bestimmte Narrative unterstützen. Unabhängigen Medien gelingt es somit oft nicht, den journalistischen Erfolg zu Geld zu machen. Auch die aktuelle wirtschaftliche Krise macht die Finanzierung für Medien schwieriger, da weniger Personen gewillt sind, Geld für unabhängigen Journalismus auszugeben. 

Weiterhin steigt der Schaden populistischer Medien zusätzlich durch eine bewusst schlechte Berichterstattung der Regierungspresse, da damit das allgemeine Vertrauen in die Medien weiter sinkt. Selbst wenn freie Medien also sehr gute Arbeit leisten, kann das verlorene Vertrauen nicht wiedergewonnen werden.

Die ungarische Regierung selbst agiert insgesamt sehr professionell in ihrer Kommunikation. Hier sei es spannend zu beobachten, dass beispielsweise Viktor Orbán auf den unterschiedlichen Kanälen der sozialen Medien auch sprachlich unterschiedlich kommuniziert. So ist zum einen sein englischer Twitter Kanal auf ein internationales Publikum ausgerichtet, während hingegen auf seiner Facebook Seite nur Inhalte auf Ungarisch veröffentlicht werden. Inhalte werden hierbei nicht einfach übersetzt, sondern an das entsprechende Publikum angepasst. Dabei geben die ungarischen Facebook-Posts eher innenpolitische Narrative wieder, während auf Twitter public diplomacy betrieben wird.

In Anbetracht dieser Umstände halten sich Unabhängige JournalistInnen zwar an die Regeln ihres Berufes, jedoch stellt die Arbeit in einem illiberalen Land eine besondere Herausforderung dar. Insgesamt hebt Gergely hervor, dass die Arbeit in Ungarn selbst schwieriger geworden ist. Als Hauptaufgabe des Journalismus benennt er es Veränderungen hervorzurufen, so sollen sich BürgerInnen durch journalistische Berichterstattung ihre eigene unabhängige Meinung bilden können, um die Regierung dann durch demokratische Prozesse zur Handlung zu bewegen. In Ungarn ist der Weg für solche Veränderungen jedoch verbaut und Berichte verlaufen im Sand. Immer dieselben Geschichten über Probleme im Land, ohne anschließende Veränderung frustrieren deshalb LeserInnen und JournalistInnen gleichermaßen. Da das berufliche Tun keine Konsequenzen hat, verlassen viele unabhängige JournalistInnen ihren Beruf, was die Pressefreiheit in Ungarn weiter schwächt 

Als seine persönliche Motivation nannte Gergely den Glauben an den Journalismus, solange unabhängige JournalistInnen übrigbleiben und auch weiter ausgebildet werden, kann auf dieser Grundlage aufgebaut werden. Er hat jedoch aufgegeben, auf Unterstützung aus Brüssel zu warten. 

Tanissa CONRADI

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