Mitteleuropäische Studien
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Mitteleuropäische Schriftenreihe

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Band IV: Georg Hoffmann, Nicole-Melanie Goll, Philipp Lesiak, Thalerhof 1914-1936 Die Geschichte eines vergessenen Lagers und seiner Opfer, Herne 2010.

Herbst 1914: Nach anfänglichen Erfolgen entwickelt sich der Kriegsverlauf an der Ostfront für die Habsburgermonarchie zum Debakel - schon bald rücken Truppen der zaristischen Armee auf österreichisch-ungarisches Gebiet vor. Dieser militärische Misserfolg und die ohnehin aufgeheizte Stimmungslage angesichts der vermeintlichen "Russophilen" schaffen für die k.u.k. Monarchie in Galizien und der Bukowina eine Situation, die als Sicherheitsrisiko eingestuft wird und eine staatlich gelenkte Sicherheitspolitik notwendig erscheinen lässt. Hinsichtlich ihrer Auswirkungen nicht durchdacht, resultiert diese Politik äußerst rasch in der Deportation der Ruthenen aus dem Operationsgebiet. Ortswechsel: Die steirische Landeshauptstadt Graz liegt fernab der Fronten des gerade ausgebrochenen Ersten Weltkrieges und steht mit diesen Entwicklungen doch in einem engen Zusammenhang: Ab September 1914 treffen hier am nahegelegenen Flugfeld Thalerhof Transportzüge mit Ruthenen ein, die von der österreichischen Verwaltung pauschal der "Russenfreundlichkeit" und damit des Verrats am Vaterland bezichtigt werden. Die steirische Verwaltung ist auf das Kommen dieser Menschen gänzlich unvorbereitet - eine Lagerstruktur, die diese Menschen auffangen könnte, entsteht erst nach und nach, zu einem Zeitpunkt als es beinahe zu spät ist. Die vorliegende Studie "Thalerhof" thematisiert die Geschichte eines Lagers, das von der k.u.k. Monarchie zur Verwahrung eigener Staatsbürger errichtet worden war. In der Ukraine als "Talergof" zu einer schaurigen Legende geworden, geriet dieser Ort in Österreich gänzlich in Vergessenheit. Das Buch stellt die erste umfassende wissenschaftliche Beschäftigung mit dieser Thematik im österreichischen Raum dar und ist das Ergebnis eines 2008 durch das Österreichische Bundesministerium für Landesverteidigung und Sport in Auftrag gegebenen Forschungsprojekts. Die Autoren dokumentieren dabei nicht nur die Vorgänge im Lager Thalerhof, sondern nennen auch erstmals die Namen der bisher unbekannten Opfer und klären den Verbleib ihrer sterblichen Überreste.


Band III: Marc Stefan Peters, KONSTRUIERT KOMPROMITTIERT MUSEALISIERT. Altösterreich und Preußen. Ein historisch-kulturanthropologischer Vergleich, Herne 2009.

Seit dem österreichischen Erbfolgekrieg 1740-1748 wurde das Verhältnis zwischen Österreich und Preußen zu einem sprichwörtlichen Spannungsfeld. Die Rivalität zwischen Hohenzollern und Habsburg-Lothringen dominierte nicht nur die innerdeutschen Diskussionen und Auseinandersetzungen, sondern hatte auch Auswirkungen für den ganzen umliegenden mitteleuropäischen Raum. Der junge Deutsche in Österreich und Ungarn ausgebildete Historiker Marc Stefan Peters versucht mit der vorliegenden Studie die beiden Rivalen zu vergleichen, wobei er einige neue überraschende Erkenntnisse darstellen kann. Seine Betrachtungen spannen sich von der Frage, in wie weit es zentrifugale und zentripetale Kräfte gab und in wie weit vor allem die "Nachgeschichte" für ein Verschwimmen von Wirklichkeit und Mythos gesorgt hat. Im Anhang finden sich kommentierte Primärquellen zum besseren Verständnis des Themas, sowie eine Analyse des Österreichisch-Ungarischen Dualismus im Vergleich zum Preußisch-Deutschen Dualismus.


Band II: Henriett Kovács, Die Friedensbewegung in Österreich-Ungarn an der Wende zum 20. Jahrhundert, Herne 2008.

Mit der Haager Landkriegsordnung entstand Anfang des 20. Jahrhunderts erstmals eine allgemein gültige Richtlinie über Art und Weise der Kriegsführung. Schon Jahre zuvor bildete sich auf dem Territorium der Habsburgmonarchie eine Gruppe, die es sich zum Ziel gemacht hatte den Krieg als solches zu bekämpfen, ihn nach Möglichkeit durch diplomatische Verhandlungen unnötig zu machen. In der österreichischen Reichshälfte ist diese Friedensbewegung untrennbar mit der Baronin Bertha von Suttner, Sekretärin und Vertraute des schwedischen Multimillionärs Alfred Nobel und Trägerin des Friedensnobelpreises 1905, verbunden. Obwohl das Leben Bertha von Suttners in einigen Biographien mittlerweile einigermaßen gut dokumentiert ist, so blieb bislang eine Komponente weitgehend ausgespart, nämlich das Zusammenwirken der österreichischen Friedensbewegung mit ihrer ungarischen Schwesternorganisation, in der Mór Jókai eine ähnliche Position einnahm wie von Suttner in Österreich. Das vorliegende Buch versucht erfolgreich diese Forschungslücke zu schließen. Die Autorin Henriett Kovács, eine junge Budapester Historikerin, hat für die vorgelegte Arbeit umfangreiche Quellenstudien unternommen, so in der ungarischen Széchényi Landesbibliothek in Budapest und der UNO-Bibliothek in Genf und zahlreiche Zeitungen wie "Die Friedenswarte" und die "Neue Freie Presse" systematisch ausgewertet.


Band I: Jochen A. Fühner, Kaiser Maximilian I. und die Juden in den österreichischen Erblanden, Herne 2007.

Jochen Fühner setzt sich in dieser Studie mit der Ambivalenz der „Judenpolitik“ Maximilian I. auseinander; diese Politik ist wesentlich mitgeprägt von der Begehrlichkeit der Stände, die auf eine Austreibung der jüdische Einwohner zielte. Die historische Folie für dieses Geschehen ist die Vertreibung der Juden 1420/21 aus Österreich im Zuge der Hussitenkriege unter Albrecht V. Gleichsam darauf hinweisend erfolgte die Vertreibung der Juden 1496 aus der Steiermark und Kärnten, die sich aber am Ostrand des Erblande (z.B. Zisterdorf, Eisenstadt) ansiedeln konnten, wo in weiterer Folge jene „Heiligen Gemeinden“ entstanden, die zur Charakteristik der westungarischen jüdischen Geschichte werden sollten und von wo aus im Zuge der Binnenmigration des 19. Jahrhunderts wiederum jüdische Gemeinden in der Steiermark besiedelt werden konnten.



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